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 10.01.2014  

Interview: Chemie macht Spaß

Katharina Schwarze, Ingenieurin Standortoptimierung bei INEOS Köln, Copyright: Bäck
Katharina Schwarze, Ingenieurin Standort­op­ti­mierung bei INEOS Köln

Seit 2011 beschäftigt sich Katharina Schwarze als Ingenieurin mit der Modellierung der Anlagen im Bereich der Standortoptimierung. Dabei geht es um die Pflege und Erstellung mathematischer Modelle der Produktionsanlagen von INEOS in Köln. Diese werden für die Optimierung und Produktionsplanung des Standortes eingesetzt. 

Frau Schwarze, warum Chemie?

Schon als Schülerin faszinierten mich die Naturwissenschaften. Mein Chemielehrer war letztendlich daran „schuld“, dass ich Chemie studiert habe. Er hat es hervorragend verstanden, uns Chemie mit spannenden und praxisbezogenen Laborversuchen nahe zu bringen. Das hat mir Spaß gemacht und meine Neugierde für chemische Vorgänge geweckt. 

Früher war der Doktortitel für eine Karriere in der Chemiebranche unumgänglich. Ist das ein Ziel für Sie?

Nein. Die Promotion ist nicht mehr Basis einer Karriere in der Chemie. Ausschlaggebend sind ein gutes Fachwissen und der Wille, dieses unter Beweis zu stellen.

Welchen Einfluss hat die Chemie auf Sie persönlich?

Ich gehe bewusster mit meiner Umwelt um und mache mir Gedanken über die Auswirkungen von Chemie auf unser Leben. Denn ein modernes Leben ist nur durch die Chemie als Basisindustrie möglich. Oft werde ich aus meinem

Freundes- und Bekanntenkreis als Expertin um meine Meinung gefragt. Ich habe gelernt, komplexe Sachverhalte einfach darzustellen.

Als Chemikerin kann man in der Forschung oder in der Industrie arbeiten. Sie haben sich für INEOS in Köln entschieden. Warum?

Ich startete an der Universität Bielefeld mit dem Studium der Chemie. Da fehlte mir jedoch der Praxisbezug, weshalb ich mich für das duale Studium entschied. INEOS in Köln bot mir schon während des Studiums einen Zwei-Jahres-Vertrag im Anschluss an die Diplomarbeit an. Diese Sicherheit gab mir den Freiraum, mich ganz auf meine Diplomarbeit konzentrieren zu können. Zudem sammelte ich in diesen zwei Jahren praktische Erfahrungen und hatte Zeit, das Unternehmen noch besser kennenzulernen.

Was war Ihre erste Reaktion, als Sie gefragt wurden, ob Sie am PepperMINT-Programm teilnehmen wollen?

Standortweit wurden weibliche Nachwuchsführungskräfte gefragt, ob sie Interesse hätten, an PepperMINT teilzunehmen. Als die Nachricht kam, dass ich dafür benannt wurde, wollte ich mich erst mal überraschen lassen. Dieses Programm war ja noch neu und wir verstanden uns als Versuchskaninchen.

Versuchskaninchen?

Klar, ich war ja auch eine der ersten dualen Studentinnen bei INEOS  in Köln. Insofern freute ich mich, auch hier neue Erfahrungen zu machen.

Wie wichtig finden Sie es, dass es Personalentwicklung speziell für Frauen mit MINT-Qualifikation gibt?

In MINT-Berufen sind wesentlich mehr Männer beschäftigt als Frauen. Das wird sich zwar ändern, aber nicht von heute auf morgen. Mit der Situation, dass man manchmal die einzige Frau in Besprechungen oder der Abteilung ist, muss man umgehen können. Dazu habe ich in den Seminaren viel gelernt. Ich fand es gut, dass meine Kolleginnen und ich in der Fortbildung hinsichtlich der unterschiedlichen Sichtweisen von Mann und Frau sensibilisiert wurden. Das war hilfreich.

Sie haben einen Mentor aus der Telekommunikationsbranche. Wie beschreiben Sie den Austausch?

Die „Chemie“ stimmt. Zu Beginn lernten wir uns erst einmal kennen, doch mittlerweise verstehen wir uns prima. Ich war zweimal in seiner Firma und er besuchte mich auch schon zweimal an meinem Arbeitsplatz. Das sind völlig verschiedene Welten. Wir haben auf alle Fälle viel voneinander gelernt.

Auch die Seminare waren unternehmensübergreifend. War das nützlich?

Auf jeden Fall. Auf diese Weise lernte ich, dass auch in anderen Unternehmen manches nicht ganz rund läuft. Ich habe viel erfahren, was ich in meinem Bereich umsetzen kann. Das nun aufgebaute Netzwerk hat den Vorteil, dass wir uns gegenseitig Ratschläge einholen und uns Feedback geben, das man in seiner unmittelbaren Umgebung so nicht bekommt. 

Welche persönliche und berufliche  Bereicherung haben Ihnen die Seminare gebracht?

Ich bin auf alle Fälle selbstbewusster geworden und trete selbstsicherer auf. Ich habe auch gelernt, dass Männer auch nur Menschen sind, aber sie präsentieren sich oft besser als Frauen. Beruflich hat es mir geholfen, mit Kollegen offener umzugehen. Es sind die Soft Skills, die ich beruflich brauche, wenn Kollegen anders ticken und ich mich frage, ob ich etwas falsch gemacht habe oder ob es nicht an ihnen liegt. Mit solchen Situationen kann ich heute viel entspannter umgehen. Dabei haben mich die Seminare, mein Mentor und deshalb PepperMINT ein großes Stück weitergebracht.

Wie sehen Sie die Chancen auf Beförderung bei INEOS?

Mir wurde vor mehr als einem Jahr in Aussicht gestellt, eine Teamleitungsfunktion zu übernehmen. Vor PepperMINT war ich skeptisch und ich hatte das Gefühl, als müsste ich den Mount Everest bezwingen. Inzwischen kann ich mir gut vorstellen, ein Team zu leiten. Ich fühle mich jetzt gestärkter und kann mir vorstellen, eine Teamleiteraufgabe zu übernehmen.

Was soll am PepperMINT-Programm verbessert werden?

Die Seminare waren alle ausgezeichnet organisiert und besetzt. Enttäuscht war ich nur, dass  beim letzten Mentoringworkshop keine MentorInnen der ersten Runde dabei waren. Offenbar ist es schwierig, einen gemeinsamen Termin zu finden. Gut wäre auch, wenn die Zuständigkeiten innerhalb des Programms klarer kommuniziert würden. Doch auch das ist nach einem Feedbackgespräch besser geworden. Ich wünsche mir, dass PepperMINT weiterhin so gut unterstützt wird.


 

 
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